last Update: 28.01.2011

Kuriositäten

Der Zahnarzt

Nicht immer sind bequeme Stühle
Ein Ruheplatz für die Gefühle.
Wir säßen lieber in den Nesseln,
Als auf den wohlbekannten Sesseln,
Vor denen, sauber und vernickelt,
Der Zahnarzt seine Kunst entwickelt.
Er lächelt ganz empörend herzlos
Und sagt, es sei fast beinah schmerzlos.
Doch leider, unterhalb der Plombe,
Stößt er auf eine Katakombe,
Die, wie er mit dem Häkchen spürt,
In unbekannte Tiefen führt.
Behaglich schnurrend mit dem Rädchen,
Dringt vor er bis zum Nervenfädchen.
Jetzt zeige, Mensch, du, Seelenadel!
Der Zahnarzt prüft die feine Nadel,
Mit der er alsbald dir beweist,
Daß du voll Schmerz im Innern seist.
Du aber hast ihm zu beweisen,
Daß du im Äußern fest wie Eisen.
Nachdem ihr dieses euch bewiesen,
Geht er daran den Zahn zu schließen.
Hat er sein Werk mit Gold bekrönt,
Sind mit der Welt wir neu versöhnt
Und zeigen, noch im Aug die Träne,
Ihr furchtlos wiederum die Zähne,
Die wir — ein Prahlhans, wer's verschweigt —
Dem Zahnarzt zitternd nur gezeigt.

 

Kraft aller Nerven ist vonnöten
Will einen uns der Zahnarzt töten.

 

Zahnweh

Bescheiden fängt ein alter Zahn,
Der lange schwieg, zu reden an.
Entschlossen, nicht auf ihn zu hören,
Tun wir, als würd uns das nicht stören.
Der unverschämte Zahn jedoch
Erklärt, er hab bestimmt ein Loch,
Und schließlich meint er, ziemlich deutlich,
Daß ihm nicht wohl sei, wurzelhäutlich.
Wir reden dreist ihm ins Gewissen:
»Wenn du nicht schweigst, wirst Du gerissen!«
Doch wie? Der Lümmel lacht dazu:
»Das fürcht ich lang nicht so wie Du!«
Wir suchen mild ihn zu versöhnen.
»Ließ ich Dich golden nicht bekrönen?
Schau, haben nicht wir beiden Alten
Zusammen jetzt so lang gehalten?
So manchen guten Biß geteilt?«
Es ist umsonst, er bohrt und feilt
Und sieht nicht ein, wie es verwerflich,
Uns völlig zu zersägen nervlich.
Wir werden stark! (In Wahrheit schwach!)
Am nächsten Morgen kommt's zum Krach.
Der Zahn wehrt sich mit Löwenmut,
Doch übersteht er's schließlich gut.
Uns aber bangt schon — Zahn um Zahn —
Bald kommt vielleicht der nächste dran!

aus: Eugen Roth — Heitere Zahnphilosophie





 

 

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